Samstag, 6. April 2019

Jetzt kommt es drauf an

5-0! Das ist eindeutig und verdient. Das Ergebnis allein wirkt. Die Frage ist aber, was der BVB nun daraus macht.

Da sind die ersten Gefühle und Aussagen, unmittelbar nach dem Spiel, Versuche, zu erklären, wie es dazu kommen konnte. In Interviews sollen möglichst einfache Erklärungen geliefert werden, dabei stehen Frust und auch Scham an erster Stelle der eigenen Gefühle. Die ganze Welt hat gesehen, wie man versagt hat. Man fühlt sich allein und sucht nach Gründen. Zum Selbstschutz findet diese Suche oft zuerst bei Anderen statt, aber das Gefühl, selbst dazu beigetragen zu haben, schwingt mit. Das konnte man bei den Interviews deutlich heraushören.

Fans und Medien suchen ebenfalls nach Ursachen und vor allem: Schuldigen! Man flüchtet sich in Sarkasmus oder Ironie und weiß sowieso alles besser. Und die einfachen Erklärungen sind schnell gefunden, weil es entlastet und irgendwie befreit. Vor allem diejenigen, die vor dem Spiel schon einen 5 Punkte Vorsprung eingetütet hatten. Andere trauern genau dieser Chance hinterher.

Aber all das ist vorbei und nützt nichts. Es darf jetzt aber auch nicht im Vordergrund stehen, was viel schlimmer wäre, als (... übrigens es heißt „als“ und NICHT „wie“, Herr Matthäus) die Niederlage.

Es ist in diesem Spiel vieles zusammengekommen, was zu diesem Ergebnis geführt hat. Die eigene Leistung, jedes einzelnen Spielers und des Kollektivs ist ein Puzzlestück, die Leistung des Gegners aber auch nicht unwichtig. Dazu kommen Spielentwicklung (Was passiert, wenn Mo den Ball ins Tor und nicht an den Pfosten setzt?), aber auch grundsätzliche Voraussetzungen. Eine, bis auf Robben, volle Kapelle des FCB gegen eine Mannschaft, die sich bei uns (wie so oft seit Dezember) durch Verletzungen nicht selbstverständlich aufstellen lässt, sondern wo auch immer Risiken eingegangen werden müssen: z.B. bei Piszczek oder Diallo, während Paco, Pulisic, Guerreiro oder Hakimi ganz fehlten.

So ist man wieder Zweiter, hat sechs Spiele vor sich und ist auf Ausrutscher vom FCB angewiesen, wenn man die Sensation schaffen möchte.

Angesichts der vielen Gegentore nach Standardsituationen in der gesamten Rückrunde, muss ich sagen, wäre es allein schon eine Sensation, von den unterschiedlichen Ausgangslagen (BVB vs. FCB) sowieso, aber erst recht, nachdem man so in München verprügelt worden ist.

Trotzdem ist es noch drin. Vorausgesetzt, man ist wirklich ein Team und schafft es, nicht nur Fehler aufzuzeigen, sondern gemeinsam diese als Chance erkennt, es besser zu machen, wie Bayern nach Liverpool und Heidenheim.

Jetzt erst Recht muss die Devise heißen!

Ich erwarte von unseren Führungskräften (inkl. Reus) einfach genau das, mit dem Ziel, besser zu sein, als viele „schlaue“ Leute, die nur nach Schuld und Schuldigen suchen.

Auf geht‘s Dortmund, kämpfen und siegen ...

Montag, 6. August 2018

BVB "Heimspiel" in Chicago

Es war im Sommer 2017, als der BVB bestätigte, dass für 2018 eine USA Sommertour geplant würde und die Stadt Chicago eine Rolle spielen sollte. Die bisherigen Spiele während der Asienreisen der letzten Jahren kamen mir immer sehr weit entfernt vor, aber meine Erfahrung mit Reisen in die USA weckte die Lust danach, den BVB zumindest bei einem Spiel zu "unterstützen".

Als es konkreter wurde, verabredeten wir uns mit Freunden in den Staaten, buchten Tickets für das Spiel gegen Manchester City und organisierten weitere Highlights (z.B. ein Trainingscamp des BVB mit einer deutschen Schule für die Kids). Schnell hatten wir über die sozialen Medien auch Kontakt zu anderen BVB-Fans in Chicago und Umgebung, die gerade dabei sind, einen Fanclub oder eine Community aufzustellen. Schon zu der Zeit fiel auf, wie euphorisch und engagiert die Fans vor Ort den Auftritt des BVB Kaders in "ihrer Stadt" vorbereiteten.


Unser Reiseplan sah vor, dass wir ein paar Stunden vor der Mannschaft in O'Hare landen sollten und durch den Ausfall der Bahn, die normalerweise die Terminals verbinden, schafften wir es knapp, zunächst unser Airbnb zu beziehen und dann wieder mit der "Blue Line" und dem Shuttlebus pünktlich zur Ankunft des prominent besetzten Fliegers am Flughafen zu sein.

Die ohnehin immer sehr stark frequentierte Ankunftshalle erschien an diesem späten Nachmittag noch voller und die BVB Trikots fielen schon ins Auge. Ob es tatsächlich mehr als 200 Fans waren, kann ich nicht einschätzen, aber auffällig war, dass das Gedränge immer stärker wurde, als dann die Mannschaft den Sicherheitsbereich verließ.




Wir hielten uns mit unseren Kids eher zurück und warteten, nach einem kurzen Blick in die Ankunftshalle, vor dem Bus auf die Spieler, was dazu führte, dass gerade die stark im Fokus stehenden Spieler und Trainer, wie Favre, Götze oder Pulisic, an uns vorbeihuschten. Trotzdem konnten wir ein paar Selfies machen und sogar kurze Gespräche mit Lars Ricken, Michael Zorc, Aki Watzke und Carsten Cramer führen. Schon da fiel auf, dass der BVB selbst relativ gespannt war, wie er bei seinem ersten größeren Auftritt von den "Soccerfans" angenommen würde.

Insgesamt waren alle Beteiligten positiv überrascht, was sich in den folgenden Tagen noch steigern sollte.

Über die Facebook-Gruppe des BVB Midwest Fanclubs erhielten wir Infos zu den anstehenden Terminen und konnten an allen Auftritten des BVB teilnehmen, obwohl sie teilweise auf sehr geringe Teilnehmerzahlen beschränkt waren.

Die offizielle Vorstellung des Champions League Trikots war sicherlich ein Highlight und das erste Treffen mit Andy Stecher, der den Midwest Fanclub gegründet hat, sowie ein längeres Gespräch mit Carsten Cramer sollten unterstreichen, wie groß die Sehnsucht von vielen BVB Fans in den USA ist - endlich mal die Stars zu sehen, aber auch ein wenig von der legendären Atmosphäre, die den BVB umgibt, zu erfahren. Als langjähriges Mitglied und Dauerkartenbesitzer seit 1987 wurde ich schnell zu einer Art Botschafter des Westfalenstadions und der "Yellow Wall" und musste immer mehr von meinen Erlebnissen erzählen. Es entwickelte sich ein in den letzten Jahren schon fast vergessenes Gefühl der Zusammengehörigkeit und Euphorie, wenn man gemeinsam über unvergessliche Spiele sprach und in Erinnerungen an tolle und auch schwere, auf jeden Fall immer besondere, intensive Zeiten schwelgte.





Hängen geblieben ist da vor allem ein Erlebnis mit einem Fan aus Milwaukee, den ich mit Lars Ricken fotografierte, was ihn zu einer sehr emotionalen Reaktion mit Umarmungen und einem "He's my hero ..." hinreißen ließ.

Beim Training am Abend vor dem Spiel, durften wir, obwohl wir nur zwei Tickets hatten, auch die Kinder hineinnehmen und es zeigte sich, wie intensiv die Fans sich mit dem BVB auf allen möglichen Kanälen beschäftigen. Selbst teilweise noch eher unbekannte Jugendspieler und ihre Entwicklungen wurden besprochen, aber auch diskussionswürdige Entwicklungen um den BVB und den Fußball in Deutschland und Europa herum. Das Leuchten in den Augen zu sehen, wenn sie davon sprachen, wie sie versuchen, ganz nah am BVB zu sein, war inspirierend und zugleich wie eine Art Frischzellenkur des eigenen Fan-Daseins. Ich hoffe, dass ich mir das bis in die neue Saison hinein behalte und vielleicht sogar auf andere, bisweilen eher frustierte Fans daheim übertragen kann.

 

Am folgenden Morgen stand dann eine Trainingseinheit mit der BVB Fußballschule und Kindern der
German International School Chicago an und Lars Ricken und Emma waren echte Highlights für die Kids.








Das Spiel, welches um 20 Uhr Ortszeit stattfand, wurde typisch amerikanisch mit einem Tailgate auf dem Parkplatz am Soldier Fields 4 Stunden vor Anpfiff "eingeleitet" - wiederum organisiert vom Fanclub um Andy Stecher und viele Fans ließen sich diese Möglichkeit des Austauschs trotz schlechtem Wetter nicht entgehen. Lars Ricken und die Crew vom BVB TV kamen auch vorbei und der BVB zeigte Bilder im Video über die BVB-USA Reise. Spannend finde ich, wie die Leute in den Staaten auf den BVB als "ihren Club" gekommen sind. Teilweise ergab sich das aufgrund der eigenen Herkunft als Auswanderer, Verbindungen über die Eltern oder Verwandten nach Deutschland, aber auch Geschäftsbeziehungen zu deutschen, BVB-nahen Unternehmen. Viele jüngere Fans sind allerdings vermehrt über Christian Pulisic zu unseren Farben gekommen, was gerade den Marktwert von ihm unterstreichen dürfte.

Das Spiel war ein typisches Vorbereitungsspiel, die Stimmung im Stadion war sicherlich nicht mit einem Pflichtspiel zu vergleichen, aber der Anteil der BVB-Fans und -Sympathisanten im Stadion war überraschend hoch, was einige ManCity-Fans (unter anderem in Youtube-Videos) wieder mit Christian Pulisic in unserem Trikot begründeten. Verglichen mit BVB-Testspielen in Europa und selbst im nahen Umfeld war es aber anders, irgendwie frisch und enthusiatisch. Es hat entsprechend Spaß gemacht, z.B. alle Strophen von Heja BVB zu singen und immer mehr "Amis" zum Mitsingen des Refrains zu begeistern. Der Regen im nicht überdachten Sodier Fields beschränkte sich auf die Halbzeitpause, so dass wir nach dem Spiel auch trocken im Hotel wieder ankamen.




Der BVB verließ dann Chicago und setzte die USA Reise fort, während wir nach ein paar Tagen ebenfalls die Stadt in Richtung Michigan verließen, wo wir ein paar Tage später die geballte Power von Manchester United und Liverpool FC in Ann Arbor erleben durften.

Hier wurde einerseits deutlich wie groß der Vorsprung dieser Clubs ist, den sie sicherlich aus verschiedenen Gründen inne haben. Hauptsächlich ist die Sprache ein großer Vorteil, aber auch die  Vernetzungen der Clubs mit amerikanischen Anteilseignern oder Inhabern dürfte neben der TV-Präsenz der englischen Premier League dazu beitragen, dass man mehr als 100.000 Zuschauer ins "Big House" bekommt.





Andererseits wurde für uns deutlich, wie groß die Sympathien für den BVB überall sind, denn man wurde überall auf unser Trikot angesprochen und es wurde deutlich, dass nicht nur Christian Pulisic ein Thema ist, sondern unser Stadion und die "Yellow Wall" tatsächlich als legendär gelten.

Fazit: Persönlich tat es einfach mal gut, so viele BVB Fans zu treffen, die sich mit unserem Verein stark identifizieren; dankbar sind, für jegliche Möglichkeit, dem Club nahe zu sein und einen sehr positiven Ansatz haben - vermutlich einfach auch weniger belastet durch Diskussionen, die in den letzten Monaten rund um das Westfalenstadion die Stimmung schon heruntergezogen haben.

Was den BVB und seine "Marktchancen" angeht, so denke ich, dass man dort wirklich vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten sprechen kann. Wir wurden und der BVB wird wahrgenommen, man hat Alleinstellungs- und wenn nicht, dann Unterscheidungsmerkmale gegenüber all den Großkalibern aus England, Italien und Spanien. Wenn man es schafft, aus Sympathien Identifikation werden zu lassen, dann geht da Einiges!

Jetzt freue ich mich auf die neue Saison, werde viel in Richtung USA berichten und in Kontakt bleiben und meinen Beitrag so leisten ... 

Freitag, 16. März 2018

Das große Ganze aus dem Blick verloren ...

Nun ist man also nach einer blamablen Europapokal-Saison gegen RedBull Salzburg ausgeschieden und nicht das erste Mal in dieser Saison, musste man gestern (an)erkennen, dass unsere Mannschaft unter gewissen Voraussetzungen einfach nicht wettbewerbsfähig ist.

Nun wird über Charakter, Hierarchie und Führungsspieler gesprochen, Trainer und ihre Taktiken werden diskutiert und auch die Einkaufspolitik.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass man sich als Verein oder Unternehmen irgendwie verloren hat, vielleicht aufgrund des Wachstums in den letzten Jahren und der Erfolge, die man hauptsächlich in Sachen Talent-Rekrutierung, Auftritte/Wahrnehmung in Asien und einem Pokalsieg (nach vier Anläufen!) für sich verbucht hat. Verloren, im Sinne der korrekten Einordnung des BVB im großen Bild, welches der Profifußball inzwischen abgibt.

Erst wenn man weiß, welche Rolle man eigentlich im modernen Fußballgeschäft einnimmt und was alles für Einflüsse auf den alltäglichen Spielbetrieb, Spieler und Umfeld wirken, dann kann man sich neu ausrichten. Fraglich ist allerdings, ob man das mit den aktuellen Verantwortungsträgern und "ihrer Mannschaft", nämlich der, die die Weichen stellen muss, weiterhin kann.

Jürgen Klopp sagte, entweder er geht oder viele andere müssten gehen, Thomas Tuchel ist mit seinen Maßnahmen gescheitert, weil er sich auf vielen Ebenen unbeliebt gemacht hat, Peter Bosz am Ende an der nicht vorhandenen körperlichen Präsenz des gesamten Kaders.

Viele sprechen darüber, dass man Persönlichkeiten verloren hat. Spieler, die inzwischen bei Bayern oder ManCity das Spiel prägen. Der Verein setzte auf Talent und entwickelte sich zu einer Art Laufsteg für übertalentierte Offensivspieler. Spieler, die sich zu etwas Größerem berufen fühlten, als nur für den BVB zu spielen!

In der Zeit nach den großen Jahren, Titeln und Endspielen verloren wir nicht nur herausragende Persönlichkeiten auf dem Platz, sondern auch das Bild eines Vereins, zu dem die Spieler kommen, um sich genau für diesen Verein zu zerreißen, Widerstände gemeinsam zu überwinden und unbedingt Erfolg haben zu wollen. Stattdessen findet man eine Wohlfühloase vor, mit perfekten Trainingsmöglichkeiten, genug Ablenkung vom stressigen Spielbetrieb und dem besten Rasen der Liga im (inzwischen leider gar nicht mehr so lauten) Tempel. Man verbringt viel freie Zeit im Ausland, z.B. beim Friseur seines Vertrauens oder kuriert sich in Luxushotels mit Ausblick auf Berge und/oder Meer aus. Das sind Bilder, die in unserer Zeit, wo sich Gesellschaftsschichten gerade bzgl. des Wohlstands immer weiter voneinander entfernen, wirken wie Brandbeschleuniger für schlechte Laune!

In den sozialen Medien sieht man tatsächlich gut gelaunte Ballkünstler, die Lattenschießen üben oder im "Footbonauten" Bälle auf Kunstrasen von einem aufleuchtenden Kasten in den nächsten passen. Völlig egal, ob man gerade in Hannover auf schlechtem Rasen ausgekontert wurde oder gegen den Serienmeister aus Zypern zwei Mal nicht über ein Unentschieden hinausgekommen ist. Die Welt ist schön, die teuren Autos blitzen und wenn man öffentliches Training hat, sind auch viele Fans da ...

Anders sieht es tatsächlich auf den Tribünen aus. Da sind zwar immer noch viele Fans, aber man diskutiert über Spieltagszerstückelungen, Brausehersteller-Clubs und über die Defizite des gerade verantwortlichen Trainers. Gesungen wird fast nur noch im Ultra-Block, aber zum fürchten ist die Stimmung im Tempel (für Gegner) schon lange nicht mehr. Vielleicht schon eher für DIE (eigenen) Spieler, die dann doch mal etwas riskieren und dafür Pfiffe ernten, wenn es überhastet daneben geht. Da ist dann aber auch selten ein Zeichen von den Mannschaftskollegen, dass man sich gemeinsam hilft, was zumindest mal ein Signal für die Tribünen wäre, dass man tatsächlich "fest und treu" zusammenhält. Dann zündet dieser Brandbeschleuniger eben und man pfeift auch mal die eigene Mannschaft aus ... trotz Platz 2 oder 3 in der Ligatabelle!

Und so sind wir inzwischen ein inhomogenes Konstrukt, indem jeder dem anderen viele Fehler und Fehlverhalten aufzeigen kann, aber eben keine Gemeinsamkeiten zu erkennen sind.

Aber, was hat man eigentlich verpasst oder übersehen, wenn man an die letzten Jahre denkt?

Wir waren 2012/2013 das Vorzeigemodell im Fußball, voller Leidenschaft, Teamgeist, Jugend und Vollgasveranstaltungen und werden inzwischen von gefühlten 100 Teams aus ganz Europa, die wie kleine Kopien unserer damaligen "Elf" daher kommen, in den Schatten gestellt.

Ein Problem ist sicherlich, dass man einfach erwartet, dass es immer weiter nach oben geht oder man zumindest das Level hält. Dass man das nicht schaffte, lag an zwei Hauptpunkten:

1. Die Übermacht der Bayern: Sie haben ganz klar gemacht, dass sie es nicht dulden, wenn ein anderer Verein aus Deutschland plötzlich Titel, aber auch Ansehen einheimst und schlugen mit allen Mitteln zurück, inkl. eines Spielstils, der unserem sehr nah kam.

2. Die Macht und Verlockungen des Geldes: Spieler (und gerade ihre Berater) konnten mit den Erfolgen natürlich leicht bei zahlungskräftigen Clubs landen und so waren wichtige Stützen der Mannschaft nicht zu halten.

Nimmt man 1 und 2 zusammen, wie es bei Götze, Lewandowski und Hummels war, dann ist das doppelt schwer zu kompensieren!

Gleichzeitig führte die Reaktion der Bayern dazu, dass sie sich immer weiter vom Rest der Liga entfernten. Kaum noch ein Verein konnte Talente oder Nationalspieler halten, denn die wollten ja auch mal Titel gewinnen. So wurde aus dem Rest der Liga ein Wettbewerb "Hop oder Top" bzw. "Europa League oder Abstieg" und wenn man nicht aufpasste, dann folgte der Abstieg (zumindest Abstiegskampf) auch mal auf den Europa League Einzug.

Daraus ergab sich wiederum ein spezieller Spielstil, mit dem versucht wird, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, das Offensivspiel eher hintenanzustellen bzw. die Bemühungen des Gegners in diese Richtung zu bekämpfen.

Schaut man sich Spiele dieser Mannschaften gegeneinander an, versteht man, warum Leute lieber American Football schauen, als sich ein Bundesligaspiel als neutraler Zuschauer anzutun. Aber am Ende hat man gerade gegen Mannschaften, die eher "die feine Klinge" führen und lieber den schweren, direkten Pass durch zwei eng stehende Abwehrreihen spielen, als einen simplen Doppelpass, sogar Erfolg, weil man ihnen das Leben schwer macht und die Lust am Spiel nimmt.

Genau das mussten wir in den letzten Jahren immer häufiger sehen.

Man wurde plötzlich auf das Niveau der anderen Mannschaften heruntergezogen ... so wie es Jürgen Klopp früher gerne veranschaulichte bzw. für uns beanspruchte. Allerdings hatte man die Idee, mit noch mehr Talent und Leichtfüßigkeit, dem entgegenwirken zu wollen. Das ist leider komplett in die Hose gegangen und so läuft die Mannschaft den Ansprüchen immer weiter hinterher.

Bedeutet, dass man nun an vielen Baustellen arbeiten muss. Vor allem aber daran, dass man Spieler bekommt, die gewillt sind, und körperlich auch in der Lage, dagegen zu halten, um mit dem BVB nach vorne zu kommen und nicht die eigene Karriereplanung und den nächsten Topverein schon im Hinterkopf haben.

Naja, am Ende kann man uns und vor allem Aki dabei nur alles Gute wünschen ...

Sonntag, 28. Mai 2017

Und wir haben den Pokal ...

... aber sonst ganz viele Probleme:

Der BVB hat also endlich, nach vier Anläufen den Titel geholt, sich aber in vielen Bereichen nicht mit Ruhm bekleckert.

Im Sachen Stimmung war der BVB klar unterlegen, was auch an der Vereinspolitik liegt und die SGE dient als eindeutiger Beweis, dass man es anders steuern kann. Natürlich brannten die Frankfurter Fans nach vielen Jahren ohne Endspiel auf dieses Highlight, aber die Verantwortlichen haben es geschafft, eine Einheit auf der Tribüne zu schaffen, indem sie Karten fast zu 100% an Fans gegeben haben, die als Dauerkarteninhaber einfach die Voraussetzungen mitbringen, gute Stimmung zu machen. Beim BVB setzt sich die gelbe Masse aus Ultras, die ihre Fehde mit dem BVB, DFB und der Polizei in den Vordergrund stellen, und Gewinnern einer Verlosung unter inzwischen 150.000 Mitgliedern, die nicht mehr das repräsentieren, was uns noch vor 10 Jahren ausgezeichnet hat.

Das ist Vereinspolitik, die auf Wachstum setzt. Wachstum, den man als börsennotiertes Unternehmen einfach auch mitnehmen muss, wenn sich die Gelegenheit ergibt und durch die Erfolge unter Jürgen Klopp, war dies gegeben.

Allein die Stimmung blieb auf der Strecke. Das liegt auch daran, dass man viele dieser neuen Mitglieder nicht mit den Werten an den Verein bindet, die den BVB gerade in den schweren Zeiten so stark gemacht haben, sondern mit bunten, leuchtenden Marketingkampagnen. Über "echte Liebe" lachen viele Fans anderer Vereine inzwischen teilweise mit weniger Hohn als Mitleid.

Der Erfolg gibt der BVB Führung aber Recht und den eingeschlagenen Weg konnte Thomas Tuchel nun mit einem Titel krönen. Diesem Trainer, der nach zwei Jahren einen Titel und keine Bundesligaheimniederlage für den BVB und sich beanspruchen kann, wird im nahen Umfeld durch die sehr eng vernetzten Medien nun vorgeworfen, nie im Verein angekommen zu sein. Vielmehr soll er altgedienten Spielern und Mitarbeitern keinen Respekt entgegenbringen und diese teilweise übergehen bzw. ablehnend gegenüber stehen.

Aber genau so geht doch die Vereinsführung mit langjährigen Fans um. Und da bin ich wieder beim Thema Stimmung. Während die Ultras seit Jahren in unserem Namen und in den Stadien der Welt "Krieg gegen den DFB" führen, wie sie gestern eindeutig auf einem Transparent zeigten, werden viele treue Fans mit Public Viewings und Spreerundfahrten bei Laune gehalten. Einige gut vernetzte Fans schaffen es tatsächlich dagegen immer ins Stadion, treffen aber auf viele Fans, die wir früher bei Bayern als Kunden verhöhnt haben. Die Bayernkunden konnten aber viel mehr ihren Anspruch an den Verein, nämlich Titel, regelmäßig feiern, während wir vier Endspiele brauchten, um den Pokal endlich zu holen. Und dieses "endlich" drückte schwer auf die Gesamtstimmung, weil viele vor dem worst case scenario, wieder zu verlieren, Respekt hatten. Anderen wiederum war es eigentlich auch egal, weil sie es den tollen Frankfurter Fans gegönnt hätten, sie selbst eigentlich auch Clubfans seien, aber den jungen "Schwarzen" (Dembele) ganz toll fänden. Sorry, aber das klingelt immer noch in meinen Ohren.

Naja, jetzt haben wir erstmal den Pokal und spannende Wochen vor uns. Ich wünsche den Verantwortlichen viel Glück bei ihren Entscheidungen, fürchte aber, dass der BVB immer mehr zu einer Kopie des ungeliebten Branchenkrösus wird, mit ganz großem Abstand in vielen Bereichen, denn was man seitens der FCB Fans beim U19 Finale sehen und hören konnte, hatte bzgl. der Stimmung viel mehr Qualität zu bieten und zeigte auch da eine viel größere Einheit als das was vom Großteil der BVB Familie kam.




Samstag, 13. Mai 2017

Mein BVB?

Wir schreiben das Jahr 2008. Es ist ein tolles Gefühl, nach 1989 endlich wieder Teil des Spektakels „DFB-Pokalfinale“ zu sein. Besonders nach einigen Jahren der sportlichen und finanziellen Krisen sowie einer eindeutigen Außenseiterposition entwickelte sich auf der Fahrt nach Berlin ein Gemeinschaftsgefühl, welches den ganzen Verein für einen Tag auf Augenhöhe mit dem übermächtigen FC Bayern, erst recht nach einem 0-5 eine Woche zuvor, bringen sollte. Nicht nur die sportliche Situation, auch das Umfeld war damals ein komplett anderes. Wir waren eine große Kolonne, die sich nach Berlin aufmachte. Die Fanabteilung, vor noch gar nicht so langer Zeit gegründet, hatte ein eigenes Kartenkontingent, welches den Abteilungs-Mitgliedern zugute kam und auch so verteilten sich die Tickets auf eine langjährig gewachsene Fangemeinde für die der Verein alles war. Es war allerdings auch die Zeit der sportlichen Fragezeichen unter einem Trainer, der sich massiv dem Druck der Medien ausgesetzt fühlte und dessen Nachfolger tatsächlich an diesem Tag bereits durch Schlagzeilen geisterte, was uns irgendwie noch mehr zu einer Jetzt-erst-recht-Stimmung anstachelte und die Mannschaft bis in die Verlängerung trug. Wir verloren unglücklich, fühlten uns aber endlich wieder als der BVB, der zusammen etwas bewegen kann.

Neun Jahre später geht es nun wieder in Richtung Berlin, allerdings mit komplett anderen Vorzeichen. Allein die Diskussion um den Trainer ist die gleiche und Nachfolger werden auch bereits diskutiert. Ansonsten ist alles anders: die Tickets werden unter fast 150.000 Mitgliedern verlost, von denen viele die Krisen nach der 2002er Meisterschaft nur aus der Ferne verfolgten. Sie kamen durch sieben großartige Jahre zum Verein, in denen sie zwei Meisterschaften, einen Pokalsieg und diverse Endspielteilnahmen feiern konnten und Teil einer, durch unseren Geschäftsführer Aki Watzke, auf 10 Mio. geschätzten Fangemeinde wurden. Die Fanabteilung, inzwischen auch gewachsen, hat kein eigenes Kontingent mehr und die ehemals homogene Gefolgschaft, die durch Dick und Dünn ging, setzt sich inzwischen aus zusammengewürfelten Leuten plus einigen Ultras zusammen, die gerade in den letzten beiden Finalspielen kein so tolles Bild abgab, weil einerseits die Stimmung mit den Jahren 1989 und 2008 nicht annähernd vergleichbar war und die Ultras zusätzlich für Unmut und Dissonanzen wegen ihrer Pyrotechnik und spielunabhängigen Gesängen sorgt.
So fühlt es sich an, als habe die Fanszene an Quantität zwar gewonnen, aber an Qualität erheblich verloren. Was sicherlich auch zur Veränderung der Stimmung und Einstellung beigetragen hat, war der Erfolg der Jahre unter Jürgen Klopp, in denen plötzlich nicht mehr die tollen Fans für den BVB standen, sondern in ganz Europa der Vollgas-Fußball gefeiert wurde und wir als Fans genau das als Anspruch ans kickende, sehr gut bezahlte Personal verinnerlicht haben.

So haben wir heutzutage eine Gemengelage aus vergangenen Erfolgen, einer unglaublichen Veränderung des Vereins, die nicht nur im sportlichen Bereich erheblich von Jürgen Klopp geprägt wurde, und einer Medienlandschaft, die sich gefühlt jede Minute mit Schlagzeilen und Gerüchten überbieten muss und in Konkurrenz zu den sozialen Medien steht. Finanziell geht es dem BVB so gut wie noch nie und sportlich hat man eine Mannschaft zusammen, die wegen ihrer vielen, teilweise sehr jungen Talente in ganz Europa beachtet wird. Unter dem Nachfolger von Jürgen Klopp, Thomas Tuchel hat man in der Bundesliga noch kein Heimspiel verloren, im Durchschnitt so viele Punkte geholt wie nie unter einem Trainer zuvor und doch steht eben dieser Trainer extrem in der Diskussion.

Aber was ist in der Außenansicht das Problem von Thomas Tuchel? Er galt als das Trainertalent, mit völlig neuen Ansätzen, sowohl taktisch, aber auch in der Spiel- bis hin zur Spielerentwicklung. Im Vordergrund standen und stehen aber gar nicht so sehr die taktischen „Spielereien“ und Wechsel, die viele Experten zuweilen als zu kompliziert bewerteten und Spieler angeblich überforderten, sondern menschliche Aspekte. Seit seinem Antritt wurde sein Abgang in Mainz höchst kritisch beäugt und auch sein Umgang mit Spielern und den Medien in Frage gestellt. Durch sportliche Erfolge wurden diese Themen zwar immer wieder überblendet und dennoch gab es immer wieder Zeitpunkte, an denen die Medien festmachten, dass Tuchel weder bei den Fans noch beim Verein richtig angekommen sei. Er konnte in der Außendarstellung machen, was er wollte, es half nichts. Es gab einfach zu viele Angriffspunkte, die ihn ständig in die Defensive oder Abseits gedrängt haben. Aber er stand viele dieser Phasen durch, genau wie er den Umbruch nach den Weggängen von drei Stützen der Mannschaft hinbekam und in der Champions League sich bis zum Geheimfavoriten entwickelte.

Dann passierte das, was niemandem zu wünschen ist: das eigene Leben wird durch einen Anschlag bedroht. Wenige Minuten vor einem der wichtigsten Spiele der Saison. Man kann sich wahrscheinlich nicht in die Lage versetzen und jeder Mensch wird unterschiedlich damit umgehen und auch reagieren. Fakt ist, für Aki Watzke war die Reaktion von Thomas Tuchel auf die Verlegung des Spiels, auf nicht einmal 24 Stunden nach dem fast tödlichen Anschlags, falsch und das äußerte er in einem Interview mit einer regionalen Zeitung.

Das war der Startschuss zu einer Woche, in der all das, was in den nun fast zwei Jahren über Tuchel geschrieben, gesagt und vor allem vermutet wurde, über ihm regelrecht ausgekippt wurde.

Und Aki Watzke schweigt.

Thomas Tuchel, gefragt nach seinem Befinden, zeigt sich beeindruckt und getroffen von den diversen Vorwürfen und stellt, auch weil ihm seitens des Vereins niemand zur Seite springt, seine Zukunft beim BVB in Frage.

Mir stellen sich seitdem einige Fragen: Ist das noch mein BVB? Was sind das für Umgangsformen von Aki Watzke, aber auch von Reinhard Rauball? Hier steht nicht nur der kurzfristige sportliche Erfolg auf dem Spiel, sondern auch ein Stück weit die Identität oder das grundsätzliche Miteinander des Vereins, wenn über die Presse, aber nicht mehr miteinander kommuniziert wird.

Der BVB, natürlich auch der Fußball und die Gesellschaft haben sich verändert und viele Dinge beeinflussen mein Verhältnis zu dem Verein, der für mich in persönlich schweren Zeiten immer ein positives Symbol war. Aber gerade in den letzten Jahren, entwickelt sich der Verein zu einem Negativbeispiel, wo all das zusammenkommt, was unser alltägliches Zusammenleben immer schwieriger macht: der Egoismus wird immer vordergründiger, Gemeinsamkeiten und seien es nur gemeinsame Ziele treten in den Hintergrund und es werden alle Möglichkeiten genutzt, um sein eigenes Ego durchzusetzen. Probleme, Unstimmigkeiten und Differenzen werden nicht mehr ausgeräumt, sondern man distanziert sich und lässt Gräben unüberwindbar zurück.

Ich weiß, dass viele sagen, dass es doch nur ein Fußballverein ist oder eben gerade nicht mehr nur ein Verein, sondern ein Unternehmen, in dem es eher um Kommerz und wirtschaftlichen Erfolg geht, als um 90 Minuten Fußball, aber in Zeiten wo die Gesellschaft sich immer mehr spaltet, tut es mir weh, dass sich eben das Symbol, was für Zusammenhalt stand oder fürs „gemeinsam aus ganz schwierigen Zeiten herauskommen“ zu einem Negativbeispiel entwickelt.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Die Lizenz zum Nörgeln

Die letzte Partie vor der Winterpause ist gespielt und es war wie in vielen Spielen gegen vermeintlich kleine Gegner. Der BVB hat viel Ballbesitz, gewinnt auch sonst die meisten Statistiken, bis auf die Foulstatistik. Nur der offenbar inzwischen vorausgesetzte einfache Gewinn der Partie bleibt aus.

Der oder die Schuldige(n) sind für viele "Experten" schnell gefunden: Tuchel hat weder die Mannschaft im Griff, noch taktische Mittel oder spielt zu viel mit ihnen und dem Personal herum. Auch die deutschen Neuzugänge wie Götze, Schürrle und Rode werden den Ansprüchen nicht gerecht und jedes Argument für die Leistungsschwankungen wird mit Ablösesummen abgebügelt.

Ich gebe zu, dass auch ich (seit Kehls Weggang) Persönlichkeiten in der Mannschaft vermisse, die auf dem Platz den Ton angeben und vor allem gegen aggressive Gegner dagegen halten. Gerade die Entscheidung, Schmelzer zum Kapitän zu machen, war in meinen Augen das falsche Signal an den Rest, denn Schmelle wirkt zu brav für einen Leader, wobei ich seine aktuelle Leistung eher kritisiere, als sein Auftreten, wie z.B. gegen Hoffenheim. Aber auch bei ihm gilt, dass er Geduld verdient hat und wir insgesamt entspannter mit der Entwicklung des Teams umgehen sollten.

Aber da liegt unser Problem: das Umfeld ist voller Erwartungen! Die Aussagen sind anmaßend und völlig weltfremd. Da wird die angebliche Schwäche der Bayern ausgemacht, die man doch zur erneuten Meisterschaft nutzen müsse. Und Thomas Tuchel habe neben der ausgemachten taktischen Herumprobiererei noch ein weiteres Problem: ihm wird unterstellt, dass er beratungsresistent sei, sich selbst nie in Frage stelle und mit seiner Art sowieso nicht "zur DNA" des BVB passe.


Das alles ist kontraproduktiv und stört die Atmosphäre um den Club herum, was gerne von den professionellen Medien aufgenommen und verstärkt wird. In meinen Augen ist es allerdings einfach falsch: Tuchel ist authentisch, führt die Mannschaft emotional, bezieht sich immer in die (eigene) Kritik mit ein und hat angekündigt, dass es eine Übergangssaison werden wird, weil man viele neue Spieler integrieren muss und dabei viele zusätzliche Probleme bewältigen muss. Trotzdem wird negative Stimmung gemacht, kritisiert und jedes positive Signal oder Spiel fast schon ignoriert.

Dabei ist das doch der einzige wirkliche Einfluss, den wir haben: Wir können oder konnten (gefühlt) Spiele gewinnen, indem wir lautstark das Team unterstütz(t)en und kaufen jedes Jahr unsere Dauerkarte, vererben sie vielleicht sogar, um dem Verein, den wir so lieben, nah zu sein. Mit der Überweisung des Rechnungsbetrags für die Dauerkarte meinen viele aber inzwischen, damit auch das Recht erworben zu haben, unverhältnismäßig oft und laut zu kritisieren und gerade in den 90 Minuten des Spiels eben nicht "fest und treu" mit den Akteuren, die unsere Farben tragen, zusammenzustehen.

Wenn der BVB, als Familie, so einzigartig ist und die Fans, die auch als Botschafter fungieren und die Atmosphäre bestimmen, nicht hinter der Mannschaft stehen, dann ist der BVB nichts besonderes mehr! Ich hoffe, dass über die Feiertage die Einsicht kommt, dass der BVB sportlich unglaubliche Voraussetzungen geschaffen hat und alle das Vertrauen verdient haben, sich weiterzuentwickeln.

Frohes Fest und nen guten Rutsch
Holger

Samstag, 29. Oktober 2016

Was passiert hier?

Das gestrige Derby hat mir einmal mehr gezeigt, dass ich mich immer weniger mit dem identifizieren kann, was um die 90 Minuten herum bzw. außerhalb des Spielfelds passiert.

Auch ich fand die erste Halbzeit von unserer Starfelf passend zur Jahreszeit und  Diskussionen um Horroclowns gruselig. Das war viel zu statisch und, was die offen gelassene Mitte anging, sportlich gesehen fast schon tödlich. Nur aufgrund der sehr defensiven Denkweise des Gegners durften wir ein 0-0 mit in die Halbzeit nehmen.

In der zweiten Halbzeit hat man aber gesehen, dass uns bzw. der Mannschaft noch viele Dinge fehlen, vor allem aber Überzeugung, die mit jeder Minute und gelungener Aktion zurück zu kommen schien.

Am Ende hätte man den Sieg sogar verdient gehabt, was man auch an der Feierstimmung im blauen Block ablesen kann, wobei sie nach dem Fehlstart auch von ganz unten kommen und sich da ein Unentschieden beim gehassten Nachbarn nicht so schlecht anfühlt.

Von Feierstimmung sind wir allerdings meilenweit entfernt und das hat unterschiedliche Gründe:

Anspruchsdenken:

Die Mannschaft hat Talent, ist so teuer wie nie, verfügt über großartige  Rahmenbedingungen (inklusive ständiger Abschottung beim Training), war mit 78 Punkten im letzten Jahr der beste Zweite aller Zeiten und hat jetzt schon wieder einen großen Rückstand auf die Bayern. Dazu kommen ein glückliches Weiterkommen gegen einen Zweitligisten und ein Trainer mit dem man nicht warm wird. Das sind offensichtlich keine guten Voraussetzungen für eine Stimmung, die ein Derby vielleicht auch mal entscheiden kann!

Vergessen wird aber auch, dass das Team sehr jung und unerfahren ist, viele Spieler weder die Liga kennen noch eine Sprache sprechen, Verletzungen und Nationalteameinsätze kaum ein gemeinsames Training zumindest über einen längeren Zeitraum zulassen und die Gegner hauptsächlich auf des Zerstören unseres Offensivspiels aus sind und anschließend sich für Unentschieden feiern lassen.

Warum schaut man trotzdem immer (noch) nach ganz oben? Was ist schlimm daran, dass man eben nicht jedes Spiel (mit 6 Toren) gewinnt und man die Bayern endlich mal wieder überflügelt?

Das bringt mich zum zweiten Punkt:

Die Stimmung im Stadion:

Es gibt, wie immer, nicht nur einen Grund, dass etwas nicht so läuft wie es laufen könnte und sicher gehört der erste Punkt dazu, dass man schnell im Spiel die Lust verliert, das Team lautstark anzutreiben, aber ich habe das Gefühl, dass wir das gar nicht mehr können oder wollen.

Da ist "die Süd": optisch übermächtig, überall als legendär hervorgehoben und doch so uneins. Sicherlich war es früher einfacher, weil die Tribüne kleiner war, aber die Zeiten, dass 90 Minuten die verschiedensten Menschen sich nur auf eins konzentrierten, nämlich die Jungs in unseren Farben nach vorne zu schreien, sind vorbei.

Gerade den Leuten im Herzen der Tribüne (Block 13) sind andere Dinge einfach wichtiger als das, was auf dem Spielfeld passiert. Da gilt es sich zu feiern, den gegnerischen Ultras zu zeigen, was man unter der Woche alles so geleistet hat, wie (tatsächlich tolle) Choreos, aber eben auch gestohlene Fanutensilien des jeweiligen Gegners zu zeigen und ganz tolle (diesmal ironisch gemeint!) Lieder über Treue und Stolz bis in den Tod usw. ...blahblah und singsang... zu singen.

Gleichzeitig bekommen diese Fans allerdings auch immer wieder die Möglichkeit, sich zu produzieren und das wiederum ist für andere Fans nicht wirklich motivierend. Da fällt es mir zumindest schon schwer, den Vorsängern zu folgen, weil man weiß, wie die Ultras gerade auswärts den Ruf von Fußballfans und insbesondere vom BVB ruinieren. Trotzdem dürfen sie weiter bei Auswärtsspielen und großen Finalspielen Pyrotechnik  zünden, Züge und Bahnhöfe demoliert zurücklassen und sich in der großen Masse der BVB-Fans verstecken, bevor die Polizei sie zur Verantwortung ziehen kann.

Und wenn man dann noch sieht, dass Gewalt und Drohungen auch gegen die eigenen Reihen langsam zur Normalität werden, ist der Spaß am schönsten Sport der Welt komplett weg.

Was man auch nicht vergessen darf, ist die Stimmung, die man unter der Woche aus den diversen Medien mitnimmt. Da geht es um die Entfernung der Spieler von den Fans, zweifelhafte Auftritte in sozialen Netzwerken, aber eben auch um Entscheidungen der Geschäftsführung zur Marke BVB, der Internationalisierung und dem Umgang mit verdienten Spielern. Auch dieses Päckchen schleppen viele Fans mit ins Stadion und kriegen beim nächsten Aufruf von Dr. Pieper (nicht mehr zum Infostand) die Krise.

Alles in allem sind das Punkte, die an meiner Leidenschaft für den BVB (im Ganzen) kratzen und ich möchte doch nur ins Stadion gehen, meine Mannschaft anfeuern, mich über Gegner und Schiedsrichter aufregen und an spannenden Spielen verzweifeln und sie dann doch gemeinsam mit der Mannschaft und 80000 anderen Fans gewinnen...