Donnerstag, 26. Dezember 2013

Oberflächlich

In der Süddeutschen Zeitung, dem Kicker und den Ruhrnachrichten stellen die Fachleute fest, an was es dem BVB alles fehlt und offenbaren jedem Fan, was für Fehler doch in den letzten Monaten gemacht wurden.

Im Forum von Schwatzgelb.de haben einige Fans schon entdeckt, dass die drittbeste Hinserie unter Jürgen Klopp ja nur aufgrund des günstigen Spielplans zustande gekommen sei.

Nicht nur aufgrund der durchaus fehlenden Durchschlagskraft gegen Hertha, sondern auch am Jubel von Marco Reus nach dessen Tor macht man fest, dass es dem BVB sogar an Gier mangelt.

Und wenn man dann bei Fußballintellektuellen wie Freddie Röckenhaus lesen muss, dass der Hauptverantwortliche sich darüber gar keine Gedanken machen soll, muss man zu dem Schluss kommen, dass wir vor schweren Zeiten stehen.

Wie einfach und oberflächlich diese Analysen tatsächlich sind und wie komplex die eigentliche Situation ist, wird völlig außer Acht gelassen, von Lösungsansätzen ganz zu schweigen!

Nehmen wir uns die Hauptaussagen nun einmal vor:

1, Dem BVB fällt gegen tief stehende Gegner, die dann sogar noch weniger individuelle Klasse haben, wenig ein, obwohl man in der Offensive gar keine Verletzungssorgen hat.

Stimmt, wenn man davon ausgeht, dass heutzutage Verteidiger nur für die Defensive, ein Zehner für
die Kreativität und Stürmer für die Tore zuständig sind. Wenn man aber weiß, dass der BVB noch 
vor gar nicht allzu langer Zeit als so modern wie kaum eine andere Mannschaft gesehen wurde und
sogar Vereine, wie Liverpool, aktueller Tabellenführer der Premier League, sich das Spiel zum Vorbild genommen haben, kann das ja nicht so einfach sein!

Fakt ist, der BVB hat nach dem verlorenen Champions League Finale die Mannschaft in den wichtigsten Mannschaftsteilen so oft umstellen müssen, dass es für mehrere Spielzeiten gereicht hätte. Trotzdem hat man gerade zu Anfang gut bewältigt, dass die rechte Außenbahn ohne den etatmäßigen Defensivspieler auskommen musste, dass die andere Außenverteidigerposition regelmäßig mit einem ehemaligen U23-Stürmer besetzt wurde und dass mit Gündogan einer der Kandidaten für Europas Topelf des letzten Jahres komplett ausfiel.

2. Auf den Weggang von Götze wurde nicht adäquat reagiert.

Neue Spieler, die dann auch noch aus anderen Ligen kommen, zu integrieren, dauert seine Zeit. Auch wenn man 27 Mio. Euro für einen Spieler in die Hand nimmt, benötigt dieser dennoch Monate, um sich wirklich in das neue Spielsystem einzufügen. Wenn man immer mit den gleichen Mitspielern aufläuft, geht das vielleicht sogar schneller, aber das war gerade mit Blick auf die Sechser- und Achterposition nun wirklich nicht der Fall. Zumal es den typischen Zehner gar nicht mehr gibt!

3. Nur wegen des günstigen Spielplans hat der BVB noch relativ viele Punkte geholt, gegen die Topteams allerdings nur verloren.

Zunächst einmal ist das eine Aussage, die man nicht wirklich widerlegen kann. Allerdings kann man sich die Spiele anschauen und vergleichen, z.B. in welchen Situationen, man gegen wen gespielt hat. Außerdem haben die anderen Topteams (außer der Weltmeister) ja auch nicht viel mehr Punkte geholt, was wiederum dafür spricht, dass der BVB gegen Teams, die in der Tabelle weiter unten stehen (also auch defensiv tiefer stehen), sehr wohl punkten kann und auch noch recht viele Tore erzielt hat.

Andersherum muss man einmal sehen, dass der BVB in keinem Topspiel seine Topelf aufbieten konnte und trotzdem einige Chancen hatte, um die Spiele gegen M'gladbach, Wolfsburg oder Leverkusen zu gewinnen. Dass man diese Mannschaften nicht überrannt hat, ist kein Wunder, aber das hat selbst der Branchenprimus nicht!

4. Friedrich zu verpflichten, war ein Fehler.

Sicherlich hat man gegen Marseille und Hoffenheim sehen können, was für ein Potential in Marian Sarr steckt. Ist es aber sinnvoll, ihn sofort gegen Bayern aufzustellen? Was, wenn das schief gelaufen wäre, zumal auch er gerade eine Verletzungspause hinter sich gebracht hatte und in der zweiten Mannschaft nicht sehr stabil wirkte. So konnte man ihm Zeit geben und erreichte auch Dank seines tollen Passspiels und ohne vorbelastet zu sein, das CL-Achtelfinale.

Was haben und wecken die Journalisten für Erwartungen?

Man spricht dem BVB auf einmal jegliche Weiterentwicklung im taktischen Bereich ab und wirft Klopp vor, ausschließlich auf kräftezehrendes Laufspiel zu setzen.
Tatsächlich verlangt man neue Spieler und eine Umstellung auf Ergebnisfußball, der zwar so heißt aber auch nicht mehr Punkte garantiert!

In meinen Augen konnte man in vielen Fällen sehr wohl erkennen, dass der BVB auch gegen defensivstarke Gegner Chancen herausspielen konnte, sogar noch in den Spielen gegen Hoffenheim und gegen Marseille, gar keine 7 bzw. 10 Tage vor dem Hertha-Spiel.

Das Spiel gegen den motivierten Hauptstadt-Club war sicherlich schlecht, aber sicherlich auch ein günstiger Zeitpunkt für Worst Case Kampagnen, die man inzwischen über Tage immer wieder bringen konnte.

Ich hoffe, dass das Umfeld erkennt,  wie inhaltlos die Berichte größtenteils sind und sich stattdessen mehr hinter die Mannschaft stellt, als es die anwesenden Fans im letzten Heimspiel des Jahres getan haben.

Auf ein Neues im Jahr 2014.