----- Viele Baustellen -----
Jürgen Klopp sagte am Samstag nicht zum ersten Mal, dass man viele Baustellen habe und die Situation "beschissen" sei und angesichts von Tabellensituation und Punkteausbeute kann man das unterstreichen. Tatsächlich zeigt die Aussage wie unübersichtlich und weitgefächert die Probleme sind. Hervorheben muss ich aber den Standpunkt, dass man selbst für die Situation verantwortlich sei. Das zeigt, dass er darauf aus ist, Ergebnisse aufgrund von eigener Leistung erzielen zu wollen und nichts geschenkt haben möchte, auch weil er darauf nichts aufbauen kann.
Meine Hoffnung war und ist allerdings, dass alle Verantwortlichen den Überblick behalten haben. Und diese Hoffnung sehe ich darin bestätigt, dass man offensichtlich kontinuierlich versucht, die Stärken der Mannschaft wieder zu wecken.
----- Erwartungshaltung -----
Problematisch ist die Erwartungshaltung (auch die der Spieler) im Zusammenhang mit dem Wissen über der Qualität und Möglichkeiten, die die Mannschaft in der Vergangenheit, aber auch in der diesjährigen Champions League gezeigt haben. Was vermutlich zwangsläufig dazu führt, dass man Niederlagen bzw. Ergebnisse in den Vordergrund stellt und Sätze fallen, es sei zu wenig, was die Spieler zeigen bzw. dass Einstellung oder gar die Qualität fehle.
Mir ist das zu oberflächlich und, auch wenn ich später aufzeigen möchte, dass Vergangenes oder Erlebtes nur bedingt hilft, das Jetzt und Zukünftige zu verbessern, gibt es viele Situationen, in denen der BVB schon gezeigt hat, dass er Spieler entwickelt und Formtiefs durch gezielte, weniger kurzfristige Maßnahmen überwunden wurden.
----- Kein Kurswechsel -----
Nun gibt es viele unterschiedliche Ansätze, wie man die Mannschaft wieder auf Kurs bringen kann und in meinen Augen versucht man zu Recht, nicht den Kurs zu wechseln, sondern die Stärken der Gruppe und der einzelnen Spieler wieder hervorzuheben. Ein Kurswechsel, also eine Abkehr von der erfolgs- oder nach vorne orientierten Spielphilosophie hin zum defensiveren Spielstil von typischen Abstiegskandidaten verbietet sich allein schon aufgrund der Zusammenstellung des Kaders!
Was jeder verinnerlichen muss, ist, dass es immer wieder Rückschläge und Einflüsse (insbesondere Verletzungen / siehe Hummels) geben wird, die man nicht kontrollieren kann. Man muss vielmehr aus den Spielerköpfen herausbekommen, dass man dem ausgeliefert ist, denn schnell werden diese Erlebnisse zu unterschwelligen Traumata, die sich auch auf die mentale Kraft auswirken.
Gleichzeitig darf man nicht den Fehler machen, nur Vergleiche mit der eigenen Vergangenheit oder ähnlichen Situationen heranzuziehen, denn das hilft genau nur so lange, bis man wieder einen Schuss vor den Bug bekommt. Was in meinen Augen auch für abergläubische Rituale, wie Trikotwechsel oder hervorgezauberte Statistiken (z.B. keine Niederlage unter Flutlicht) gilt. Diese Situation ist, wie jede andere auch, einzigartig und kann weder historisch noch statistisch mit anderen verglichen werden. Erfahrungen im Umgang mit Krisen helfen sicherlich, aber die Analyse der Situation sollte immer im Vordergrund stehen.
So ist es jetzt also die Aufgabe, auch gegen das Misstrauen vieler erfolgsverwöhnten Menschen aus dem Umfeld, "einfach" weiterzumachen. Die Spieler, die weder eine gemeinsame Vorbereitung, (wenn sie überhaupt eine) hatten, noch die Möglichkeit bekamen, sich während der Saison aufeinander abzustimmen, bekommen entsprechend die Zeit, sich auf dem Feld einzuspielen.
Das ist tatsächlich in den letzten Wochen immer mehr gegeben und wenn man sich die Entwicklung der Spiele von Köln bis Bayern anschaut, dann sieht man, dass es Spielern wie Reus, Mkhitaryan, Kagawa und Aubameyang immer besser gelingt, ein Spiel aufzuziehen, was zwangsläufig Chancen und bald auch wieder ausreichend Tore bringen wird.
----- Das Wissen (!) der eigenen Stärke -----
Bleibt das Thema "individuelle Fehler", die vermehrt zu Gegentoren geführt haben und Niederlagen besiegelt haben. Hier muss man Fehler akzeptieren bzw. erkennen, dass nach entsprechenden Gegentoren nicht alles zusammenbrechen muss. Gegentore passieren hauptsächlich aufgrund von Fehlern, aber auch durch Glücksschüsse, seien sie abgefälscht oder einfach außergewöhnlich gut getroffen.
Der Glaube an die eigene Stärke muss wieder kommen und da helfen Erfolgserlebnisse, die nicht nur in Toren oder Siegen zu sehen sein dürfen, sondern in gewonnenen Zweikämpfen und gelungenen Ballstafetten. Und da muss man hinkommen, es darf auch eigentlich nicht "Glauben" heißen, sondern muss vielmehr das Wissen um die eigene Stärke sein!
----- Die nächsten Schritte und Rückkehrer -----
In der kommenden Woche hat man zusätzlich auch einmal ein wenig Zeit, sich auf ein Spiel gemeinsam (!) vorzubereiten, da man schon am Dienstag in der Champions League spielt und erst am Sonntag gegen den starken VfL aus Mönchengladbach. Abläufe, aber auch Standards sollten hier im Vordergrund stehen und die Mannschaft wieder ein paar weitere Schritte nach vorne bringen. Aber auch da gilt, dass das Spielergebnis nur kurzfristig wichtig ist, sondern viel mehr der Weg, wie man das Ergebnis selbst beeinflusst, dass man es sich nämlich verdient. Ein Glückssieg, der entsteht, ohne tatsächlich zu wissen, was man anders oder besser gemacht hat, kann schon beim nächsten Rückschlag mehr Zweifel erzeugen!
Spieler, wie Kirch, Kuba oder Sahin kommen zusätzlich hinzu, die sowohl Stabilität und Spielverständnis mitbringen, aber auch hier gilt, dass man Zeit benötigt, um die Qualität voll ausschöpfen zu können.
Es ist schade oder ärgerlich, dass man in eine solche (Tabellen-) Situation gekommen ist, aber der eingeschlagene Weg aus dieser Situation bietet die Chance, etwas aufzubauen, was langfristig stabil ist und nicht, wie bei anderen Vereinen, immer wieder neu zusammenbricht!