Jetzt kann man in meinen Augen tatsächlich das Wort Krise bezüglich der aktuellen Situation des BVB nutzen!
Wenn man allerdings die Analysen betrachtet, fällt auf, dass sich die Medien, vielleicht auch die Verantwortlichen, sehr an den individuellen Fehlern oder Gründen für die jeweiligen Leistungsschwankungen einzelner Spieler aufhalten und wenig hinterfragt wird, warum z.B. welcher Spieler wann in die (Start-) Elf rotiert und warum manche Spieler eben nicht auflaufen.
Mich wunderte, als ich die Aufstellung sah, dass gerade die defensiv ausgerichteten Spieler (Bender und Subotic), die mit Gündogan, Reus und Mkhitaryan in der Länderspielpause trainieren konnten, nicht starten durften. Vielleicht bin ich da zu unerfahren oder optimistisch, aber mit den Verbliebenen hätte man in der Zeit, doch die Abläufe und Laufwege trainieren können, die auch gestern wieder nicht zu erkennen waren.
Dass man Bender zugunsten Gündogan auf der Bank ließ, zeigt, dass man einerseits keine weiteren Systemexperimente in der aktuellen Phase starten wollte bzw. eine Raute mit Bender, Kehl und Gündogan wohl nicht für sinnvoll hält. Und ich glaube, man wollte zudem ein kleines Signal des Neuanfangs nach aussen setzen, indem man eben "klingende Namen" bringt. Leider taten sich die vielen "gelernten" Zehner (Gündogan, Reus, Mkhitaryan, Kagawa) auf dem Platz nicht wirklich leicht und hatten teilweise kontraproduktiv wirkende Ansätze in den Offensivaktionen.
Mats Hummels, soll zudem wohl als neuem Kapitän die Stammplatzgarantie bzw. Einsatzzeit Sicherheit bringen und die beiden eher weniger erfolgreichen Nationalmannschatsauftritte, scheinen da unserem Trainerteam nicht ausgereicht zu haben.
Wenn man das erste Tor sieht und viele weitere Szenen in der Mitte betrachtet, fällt aber auf, dass gerade dort im Kopfballspiel viele Zweikämpfe verloren wurden. Es ist sicherlich Spekulation, ob Bender, der allerdings auch nicht in bester bzw. stabiler Form zu sein scheint, mit Kehl da mehr hätte verhindern können, aber er hätte vielleicht wie Hummels auch ein wenig mehr Einsatzzeit verdient, um in Form zu kommen. Gegen Arsenal jedenfalls hat das Sechserpärchen mit den dahinter spielenden Sokratis und Subotic gut funktioniert, wobei die Ausrichtung des Gegners auch eine andere war.
Es scheint also so, als ob nicht nur die Spieler bei mehreren Lösungsansätzen, oft eine falsche Entscheidung treffen, sondern auch unser Trainerteam. Und da liegt auch ein wenig der Grund, dass alle sich bei der Bewertung so schwer tun oder hilflos wirken: man hatte nachvollziehbare Gründe, aber eben wenig Glück mit den Entscheidungen in letzter Zeit.
Jetzt muss man allerdings langfristige Planungen bzgl. des Aufbaus von Rückkehrern und der Integration von Neulingen über Bord werfen und nur noch kurzfristig bzw. pro Spiel entscheiden und ggf. auch die Spielweise und sogar das System ändern, um den jeweils nächsten Gegner zu schlagen und so Ergebnisse zu erzielen. Das gilt vor allem für die Bundesliga, denn da ist das Ziel, der direkten Champions League Qualifikation in Gefahr, während das zweite Ziel, einen Titel zu gewinnen, immer noch in Sicht ist.
Ich bin davon überzeugt, dass beide Ziele weiter realisierbar sind und man sich als Einheit aus dieser Situation befreien und eine Menge lernen kann. Aber dazu sollten in dieser Woche nicht wieder neue Drucksituationen (Niederlagen) durch falsche Entscheidungen entstehen.
Wir als Fans können durch positive Signale in Form von lautstarker Unterstützung dazu beitragen und sollten denen, die auf und neben dem Platz die Verantwortung tragen, zugute halten, dass keiner von ihnen solch eine Situation kennen kann und entsprechend auch Fehler gemacht werden.


