Samstag, 16. April 2016

Ein Abend in Liverpool

Das tat weh! Lange ist es her, dass eine Niederlage mich so heruntergezogen hat. Ich denke, dass es Wembley war, wo ich ähnlich niedergeschlagen war, zusätzlich wissend, dass einer unserer Jungstars zum ungeliebten Abomeister wechseln sollte.

Tatsächlich ging ab diesem Londoner Abend eine Achterbahnfahrt los. Man schaffte es anschließend tatsächlich jährlich ins DFB-Pokalfinale und verlor alle. Mehr oder weniger unglücklich, aber eben regelmäßig. Inzwischen fürchten viele, dass man ein weiteres Vizekusen werden könnte.

Das sehe ich nicht so, weil wir eine komplett neue Phase gestartet haben, die von Thomas Tuchel geprägt wird. Gerade im Spiel gegen Liverpool zeigte sich, dass wir uns noch am Anfang dieser neuen Ära befinden, mit einem Trainer, der auf diesem Level noch gar keine Erfahrungen hat(te) und der solche Niederlagen braucht, um daraus zu lernen. Auch seine Spieler kennenzulernen, in Situationen, die sich wie der letzte Tag auf Erden anfühlen, aber erklärbar sind, wenn man es schafft, zur Sachlichkeit zurückzukehren.

Auch Thomas Tuchel hat entscheidend zum Ausscheiden beigetragen. Nicht mit der Rotation im Derby,  die absolut korrekt war, sondern mit dem Wechsel von Kagawa auf Ginter und vor allem mit dem Zeitpunkt.

Liverpool hatte eine Verletzungspause und es stand eine Ecke an. Unsere Mannschaft war vorbereitet auf die Ecke, die Positionen waren besetzt und Mkhitaryan besetzte die Stelle, an der der Ball schon so oft in diesem Spiel landete, weil Milner es schon fast verweigerte, die Bälle hoch in den Sechzehner zu schlagen. Nun kam Ginter und besetzte zusätzlich den vorderen Bereich des Fünfers. Gerade angekommen, kam der Ball genau in diesen Bereich und Ginter "öffnete die Tür" und ließ den Ball passieren. Er sprang zur Seite, vermutlich damit Micky hätte klären können, der aber völlig überrascht war und eben nicht eingriff. Ich bin überzeugt, Mkhitaryan hätte den Ball geklärt, wäre er nicht in der Situation "Nimm Du ihn, ich hab in sicher" gewesen, die jeder Fußballer kennt.

Gleichzeitig war das Signal, welches Tuchel aussendete und mehr defensive Stabilität bringen sollte, das Signal des Rückzugs, vielleicht sogar der Angst. Ganz Liverpool roch das, wie ein Rudel Wölfe, und legte noch einmal an Selbstbewusstsein zu. Gündogan für Kagawa hätte in meinen Augen mehr Sinn gemacht, allerdings NACH der Ecke. Er kann den Ball im Mittelfeld halten und offensive Akzente setzen. Die Korrektur kam später, leider zu spät.

So viel zum Spiel und der Niederlage, die lehrreich sein muss. Spieler, deren Reaktion jetzt aber ein Wechsel zu einem anderen Club sein sollte, dürften tatsächlich die falschen Spieler für Tuchel sein, denn sie unterschätzen ihren Anteil an den ganzen Finalniederlagen und die Möglichkeit unter dem neuen Trainer eine Menge besser bzw. gut machen zu können.

Wenn sie das aber nicht erkennen, haben sie beim BVB der Zukunft nichts verloren und ich hoffe, sie treffen mit ihren neuen Vereinen auf den BVB, der sie dann so richtig ärgern kann.

Vielleicht ergibt sich ja doch noch eine Chance, dem kleinen Titelfluch einen Riegel vorzuschieben, aber es ist kein Beinbruch, im ersten Jahr unter einem tollen Trainer und Sportsmann "nur" in die Champions League einzuziehen, denn das war eine grandiose Leistung aller - inklusive der Spieler, die sich nicht sicher sind, ob sie neue Herausforderungen brauchen, Titelgarantien oder noch mehr Geld.

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